Dammeyer & Hoves in Schieflage

Bauunternehmen hat Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt / Betrieb läuft weiter, Löhne sind gesichert

Von Carola Korff

BOCHOLT. Das Bauunternehmen Dammeyer & Hoves hat finanzielle Schwierigkeiten. Geschäftsführer Bernd Ebbers teilte am Dienstagabend den rund 100 Beschäftigten mit, dass er am selben Tag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat. Das Insolvenzgericht bestellte den Münsteraner Rechtsanwalt Dr. Frank Kreuznacht zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er war bei der Betriebsversammlung am Dienstag dabei.

Ziel sei der Erhalt des Unternehmens, sagte Kreuznacht gegenüber dem BBV. Die Voraussetzung dafür sein gut. „Wir haben ein stabilen Geschäftsbetrieb vorgefunden“,so der Insolvenzverwalter. Im Hochbau sei der Auftragsbestand gut, bislang gebe es keine Kündigungen von Auftraggebern.

Probleme im Tiefbau

Probleme macht dem Unternehmen wohl auch nicht der Hoch-, sondern der Tiefbau. Auf dem Gebiet hätten sich die Wettbewerbsbedingungen nachhaltig verschlechtert, teilt das Unternehmen in einer Presseerklärung mit. Konkret sei es die Konkurrenz der Garten- und Landschaftsbaubetriebe, die das Unternehmen in die drohende Zahlungsunfähigkeit getrieben habe, erläutert Geschäftsführer Ebbers auf BWV-Nachfrage. Denn für diese Betriebe sei vor einigen Jahren der Meisterzwang aufgehoben worden. Sie böten nun Pflasterarbeiten, leichte Tiefbauarbeiten und Entwässerung zu einem wesentlich günstigeren Preis als die Bauunternehmen an.

„Wir sind an den Baugewerbetarif gebunden“, sagt Ebbers. Der schreibt Stundenlöhne von 18 bis 20 Euro vor. Die Garten- und Landschaftsbaubetriebe müssen dagegen aufgrund des für Sie geltenden Tarifvertrags nur 10 bis 12 Euro zahlen. „Da können wir absolut nicht mithalten“, sagt der Bauunternehmer. Knapp ein Drittel seiner Mitarbeiter sind im Tiefbau beschäftigt. Das Insolvenzverfahren soll jetzt dazu beigetragen, diese Sparte zu reduzieren und das Unternehmen zu sanieren und umzustrukturieren.

Für die Mitarbeiter ändere sich zunächst nichts, sagte Ebbers. Die Löhne seien für die folgenden Monate sichergestellt. Die wichtigsten Lieferanten und Hausbanken hätten ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Sanierungsprozesses signalisiert.

Das angeordnete Insolvenzverfahren ist eins in Eigenregie. Die Geschäftsführer Bernd Ebbers und Kalus Hoves bleiben dabei weiter im Dienst, brauchen aber für ihre Handlungen jeweils die Zustimmung des Insolvenzverwalters. „Die beiden beherrschen die Geschäfte“, sagt Kreuznacht. Er versuche jetzt, die vorgeschlagenen Sanierungswege umzusetzen.

Vor 70 Jahren gegründet

Das Unternehmen Dammeyer & Hoves wurde 1946 von Wilhelm Dammeyer mit zunächst sechs am Mitarbeitern gegründet. Mittlerweile arbeiten rund 100 Beschäftigte bei der Firma an der Robert-Bosch-Straße. Dammeyer & Hoves hat unter anderem die Bocholter Feuerwache, das Ärztehaus am St.-Agnes-Hospital und die Erweiterung der Aldi Hauptverwaltung in Mülheim gebaut. Außerdem tritt die Firmaals Hauptverwalter auf.

 

Der Erhalt des Unternehmens Dammeyer & Hoves ist oberstes Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalter.

Foto: Sven Betz

 

(Bocholter Borkener Volksblatt, 01.06.2016)

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