Spahn meldet Insolvenz an

Pressebericht 07.09.2017, muensterlandzeitung.de

Lohnfortzahlung gesichert

STADTLOHN - Die traditionsreiche Sitzmöbelfabrik Spahn hat Insolvenz angemeldet. Am Dienstag wurde das Verfahren eröffnet. Die Produktion läuft weiter. Ziel des Verfahrens sei es, den Geschäftsbetrieb dauerhaft fortzusetzen und alle 60 Arbeitsplätze zu erhalten. Das betonte Geschäftsführer und Eigentümer Michael Timinger am Donnerstag im Gespräch mit der Redaktion.

Von Stefan Grothues

Seit fast 100 Jahren in Stadtlohn ansässig: die Spahn GmbH an der Kreuzwegstraße. Foto: Markus Gehrin

 

 

Das Insolvenzeröffnungsverfahren wurde am Dienstagmorgen beim Amtsgericht Münster angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Frank Kreuznacht ernannt. Nach den Worten von Michael Timinger ist der Rechtsanwalt aus Münster „eher für Sanierungen als für Schließungen“ bekannt. Die Kanzlei bestätigte diese Einschätzung. „Wir sind auf Sanierungen fokussiert. Es ist aber für uns nach zwei Tagen zu früh, über die Erfolgsaussichten zu sprechen. Wir sondieren zurzeit die Situation“, sagte ein Sprecher der Kanzlei am Donnerstag.

"Die Auftragslage ist sehr gut“

„Wir haben uns relativ frühzeitig entschieden, eine Insolvenzverfahren anzustreben“, erklärt Michael Timinger, der das Unternehmen Spahn GmbH im Jahr 2015 übernommen hat. „Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen das Unternehmen sanieren.“ Zu diesem Zweck seien bereits Gespräche mit allen Lieferanten und den größeren Kunden geführt worden. Die Botschaft des Geschäftsführers in allen Gesprächen lautete: „Wir nehmen weiter Bestellungen an, wir produzieren und wir liefern aus. Die Auftragslage ist sehr gut.“

Warum ist das Unternehmen dann überhaupt in Schwierigkeiten geraten? Hauptgrund, so sagt der Geschäftsführer, sei die fehlende Unterstützung durch Banken gewesen. Timinger: „Wir haben seit 2015 viel in den neue Maschinen investiert. Und wir haben neue Mitarbeiter eingestellt.“ Der Umsatz konnte von 6,6 Millionen im Jahr 2015 auf 7,8 Millionen Euro im Jahr 2017 gesteigert werden. Nur das Jahr 2016 sei ein schlechtes Jahr für die Firma gewesen.
Im Sommer 2017 habe dann die Bank die Kreditlinie überraschend um ein Drittel gekürzt. „Das war wegen der Sommerferien und des Betriebsurlaubs ein sehr unglücklicher Zeitpunkt“, so Timinger. „Mit der alten Linie wären wir problemlos durch das Jahr gekommen.“

Mitarbeiter bekommen in den nächsten drei Monaten ihr Geld

Als „Schutzschirm“ für das Unternehmen und seine Mitarbeiter habe er darum das Insolvenzverfahren angestrebt. „Jetzt haben die Mitarbeiter die Gewissheit: Sie bekommen in den nächsten drei Monaten ihr Geld.“ Und das Verfahren gibt Zeit für Verhandlungen. Timinger: „Wir wissen ja genau, wo die Probleme sind.“
Michael Timinger, der auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch die Geschäfte selbst führt, sagt, dass das Unternehmen 2015 „tatsächlich schlechter da stand“, als er damals angenommen habe. „Wir merken aber, dass unsere Produkte heute am Markt wesentlich besser angenommen werden. Unsere neuen Modelle setzten sich deutlich von denen unserer Mitbewerber ab.“ Außerdem produziere Spahn jetzt auch verstärkt für Industriekunden in der Möbelindustrie.

Mit Qualität am Markt bestehen

Preislich könnten Produzenten in Deutschland mit der Konkurrenz aus Bulgarien, Rumänien und Tschechien nicht mithalten, weil das Lohnniveau in Deutschland deutlich höhrer sei. Timinger: „Wir können aber am Markt bestehen, weil unsere Qualität und unser Design stimmt, weil wir absolut individuell produzieren, weil wir deutlich schneller sind und besseren Service bieten.“

In Kürze

Im Jahr 1921 ging die H. & F. Spahn GmbH aus einer kleiner Schreinerei hervor. Damals war die Sitzmöbelfabrik der erste industrielle Möbelhersteller in Stadtlohn.
Nach dem 2. Weltkrieg fertigte Spahn vollstufig: einheimische Buche und Eiche wurde im eigenen Sägewerk eingeschnitten, getrocknet und gebogen. Der Tischbau und die eigene Polsterei rundeten die Produktion ab.
In den nachfolgenden Jahrzehnten etablierte sich Spahn als Lieferant für die Hotellerie und Gastronomie. 2007 bereinigte Egbert Weber, der Enkel eines der Gründer, die Gesellschafterstruktur und firmierte in die Spahn GmbH um.
Im Jahr 2015 übernahm Michael Timinger als neuer Eigentümer das Unternehmen, das heute Objektmöbel an Kunden in Deutschland und Westeuropa verkauft. Umsatz im Jahr 2017: 7,8 Millionen Euro.

 

Den Originalartikel finden Sie hier.

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